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2. Dezember 2025

CORYS geht neue Wege in der Eisenbahnsimulation mit Unreal Engine 5 

CORYS

Digitaler Zwilling

Infrastruktur

Railway

Simulation

Transportation

Als sich der französische Marktführer für Simulationen, CORYS, daran machte, seine ganze Produktionspipeline zu modernisieren, verfolgte man nicht nur das Ziel, einfach bessere Grafikqualität bieten zu können. Stattdessen sollte das ganze Simulationssystem von Grund auf neu gedacht werden: Design, Erstellung und Verwendung. 

Mit Unreal Engine 5 als Kernstück des neuen Ökosystems kann CORYS jetzt riesige, sich über mehrere Länder erstreckende Eisenbahnnetzwerke in einer einzigen, einheitlichen Welt simulieren.
 

Ein 3D-Vorreiter in der Eisenbahnsimulation 


Nur wenige Simulationsunternehmen können auf eine so lange Geschichte zurückblicken wie CORYS. Die Firma kann seit den frühen 1990er-Jahren auf eine Erfolgsgeschichte zurückblicken. Seit 1991 setzt das Unternehmen 3D-Grafiken in Simulationen für das Transportwesen ein. Damit zählt CORYS nicht nur zu den ersten Unternehmen, die das überhaupt taten, sondern man begann auch lange vor dem Aufkommen moderner Echtzeit-Engines damit.

Bis dato hat CORYS über 3.700 Simulatoren in über 60 Ländern für Industriesektoren entwickelt, in denen Präzision und Verlässlichkeit oberstes Gebot sind: Transportwesen, Stromversorgung und verarbeitendes Gewerbe. 

Wo Fehler nicht passieren dürfen, sind Realismus und Genauigkeit absolut unerlässlich. "Das ist unser Motto, das unser ganzes Handeln bestimmt", erklärt Renaud Perez, VP für den Geschäftsbereich Transportation/Mobility Simulation bei CORYS. "Wenn sich die Realität keine Fehler erlauben darf, dann müssen auch unsere Simulationen makellos sein."

VENUS: Der Grundstein für den pan-europäischen digitalen Zwilling des Eisenbahnsystems


Nichts versinnbildlicht Präzision und Realismus mehr als VENUS, das UE5-Flaggschiffprojekt von CORYS. "Es ist ein technologisches Wunderwerk", sagt Renaud. "VENUS ist unser erstes Projekt mit der Unreal Engine und stellt einen großen Schritt hin zu einem einheitlichen europäischen Eisenbahnsimulator in einer gemeinsamen Welt dar.“

Die Komplexität der Plattform ist eindrucksvoll. VENUS simuliert den realen Eisenbahnbetrieb der drei europäischen Länder Deutschland, Belgien und Niederlande in einer einzigen 3D-Umgebung. 

Es unterstützt grenzüberschreitenden Betrieb mitsamt den einzigartigen Signalsystemen der jeweiligen Länder. Fahrer und Techniker können mit dem Simulator trainieren, Zertifizierungen erlangen und den Betrieb auf Hunderten von Kilometern virtueller Gleise validieren.

Das ist aber nur der Anfang.

CORYS sieht das System als Fundament für einen allumfassenden digitalen Zwilling des europäischen Eisenbahnsystems, in dem Eisenbahnverkehrsunternehmen reibungslos den grenzüberschreitenden Betrieb planen und trainieren können. Das soll die Integration der europäischen Eisenbahnsysteme weiter voranbringen und beschleunigen.

Die Firma geht mit denselben Prinzipien auch Simulationen für Straßenbahnsystem an, etwa bei der jüngst veröffentlichten LRV-Simulatorplattform, bei der neue Verkehrs- und Passagier-KI-Systeme eingeführt wurden.

"Die neuen Simulatoren sind besonders bemerkenswert, weil sie den Weg für etwas ebnen, das wir 'wahrer digitaler Zwilling' nennen. Sie verknüpfen hochaufgelöste Echtweltdaten mit fotorealistischen Darstellungen in unserer ultrarealistischen Simulationsplattform", erklärt Renaud Perez.
A rain-swept road scene in a CORYS simulation built in UE5.
Courtesy of CORYS

Von technologischen Altlasten zu einem Neustart 


Im Jahr 2022 begann CORYS seine "Große Migration": die vollständige Umstellung auf Unreal Engine 5. Die bisherige Pipeline basierte auf veralteter Middleware und einer Reihe von proprietären Anwendungen und hatte sich im Laufe der Zeit zu einem Wust aus Editoren für Gleisanlagen, Signallogik, Verkehrssysteme und 3D-Inhalte entwickelt.

Für jedes Werkzeug mussten Daten händisch exportiert und wieder importiert werden, was zu Bearbeitungsengpässen und Versionsfehlern führte. Mit dem Umstieg auf UE5 gelang die Einführung einer einheitlichen Plattform für die Erstellung von 3D-Inhalten, die Simulationslogik, Validierung und Testprozesse.

"Wir stellten nicht nur eine Grafikengine um. Wir konnten vielmehr drei Jahrzehnte an validierter Eisenbahnphysik und Simulationscode bewahren und gleichzeitig unsere Arbeitsprozesse für die Entwicklung und Verwaltung unserer Simulatoren revolutionieren", erklärt Renaud. "Es ging darum, 30 Jahre technologischer Altlasten zu bereinigen."

Eine wesentliche Umstellung war die Nutzung eines Plugin-Systems, mit dem CORYS den Quellcode der Unreal Engine nicht mehr selbst anpassen musste und Kunden dennoch die neuesten UE-Funktionen bieten konnte.

Renaud sagt, dass die Auswirkungen auf die alltägliche Arbeit transformativ waren.
Courtesy of CORYS
Künstler, Techniker und Trainer arbeiten jetzt in einer Umgebung zusammen. Aufwendiges Exportieren für verschiedene Anwendungen, Versionsfehler und "Aber auf meinem Computer hat es funktioniert" gehören der Vergangenheit an.

Dank der integrierten Funktion "Weltenmanager" der Engine können verteilt arbeitende Teams gleichzeitig an derselben Strecke arbeiten. Zur Vermeidung von Versionskonflikten kommt ein zellenbasiertes Überprüfungssystem zum Einsatz, das die Produktivität nicht beeinträchtigt.

3D-Inhalte sind in der Simulationsumgebung sofort sichtbar und funktional. Techniker sehen, wie ihre Arbeit sofort zum Leben erwacht, was die Dauer aufwendiger Validierungsprozesse von Tagen auf Stunden verkürzt und damit die CI/CD-Pipeline von Teams signifikant verbessert.

Änderungen, die früher ganze Nachmittage verschlangen, passieren jetzt in Echtzeit. Das Team kann Signale aufstellen, miteinander verknüpfte Codelogik validieren, Fahrersichtbeziehungen überprüfen und Annäherungsgeschwindigkeiten testen – alles ohne den Editor zu verlassen oder rekompilieren zu müssen.
Courtesy of CORYS

Speichernutzung dank HLOD um bis zu 80 % verringert


Für die Handhabung der Welten mit Kantenlängen von bis zu 2.000 km und mit über 1,4 Millionen Objekten muss CORYS die leistungsfähigsten Funktionen der UE5 einsetzen.

"World Partition war eine Offenbarung für uns", erklärt Renaud Perez. "Unser Weltenmanager basiert darauf und erweitert sie um Google Maps-artige Funktionen. Wir unterteilen damit unsere Welt in 1 Quadratkilometer große Zellen, die jeweils mehrere Datenebenen enthalten."

Mit der zellbasierten Architektur können wir Daten automatisch streamen, je nach Nähe eines Nutzers zu einem Objekt. Weiterhin können mehrere Leute gleichzeitig an unterschiedlichen Bereichen arbeiten. 

Die Arbeit in so einer riesigen Umgebung bedingt unweigerlich, dass man mit Hunderttausenden von Assets mit hohen Polygon-Werten umgehen muss. Das clusterbasierte LOD-System von Nanite ermöglicht dem Team, filmreife Assets einzusetzen, ohne manuelle Optimierungen vornehmen zu müssen. 

"Nanite ist für unseren Anwendungsfall eine Revolution", sagt Renaud. "Eisenbahnumgebungen bestehen aus unglaublich vielen Geometrieobjekten mit hoher Polygonanzahl: ausgeklügelte Gleisinfrastruktur, detaillierte Gebäude oder auch komplexe Oberleitungssysteme. Mit dem clusterbasierten LOD-System von Nanite eliminieren wir manuelle LOD-Erstellung, die früher bei großen Assets teilweise Wochen an Arbeitszeit erforderte."
A view from the driver’s cab in a CORYS rail simulation built in UE5.
Courtesy of CORYS
Mit dem Hierarchischen Detaillierungsgrad (Hierarchical Level of Detail, HLOD) ist es dem Team möglich, automatisch Proxy Meshs für weit entfernte Objekte zu generieren und Tausende von Objekten in ein einziges Mesh zu kollabieren. Das verringert die Draw-Aufrufe um ein Vielfaches und den Speicherverbrauch für entfernte Geometrie um 50–80 %.

Das Team setzt auch stark auf Lumen für die hardwarebasierte, globale Ray-Tracing-Beleuchtung für fotorealistische Renderings. "Wenn man Fahrer schult, die bestimmte Schilder, Signale und Umweltbedingungen erkennen müssen, ist die Lichtgenauigkeit nicht nur ästhetisch – sie ist sicherheitskritisch", sagt Renaud.

"Bemerkenswert ist, wie diese Systeme multiplikativ zusammenarbeiten", sagt Renaud. "HLOD ergänzen Nanite auf extreme Entfernungen. World Partition stellt räumliche Strukturen bereit. Datenebenen bringen semantische Organisation ein. Das Zusammenspiel gibt uns die Möglichkeit, virtuelle Welten zu errichten, die bis vor wenigen Jahren noch undenkbar waren."
A snowy street scene in a CORYS rail simulation built in UE5.
Courtesy of CORYS

Verwandlung des Unreal Editors in ein Simulationskraftpaket


Die Workflow- und Leistungsverbesserungen sind an sich schon beachtlich, aber die wirklich bahnbrechende Veränderung durch CORYS’ Umstieg ist die Vielzahl an eigens erstellten Anwendungen und Werkzeugen, die als Plugins für Unreal Engine zur Verfügung stehen. Damit verwandelt sich der Unreal Editor in ein spezialisiertes Ökosystem für die Eisenbahnsimulation.

Neben dem bereits erwähnten Weltenmanager entwickelte CORYS auch ein eigenes Geländemodul, das präzise Gleisumgebungen gewährleistet und automatische Geländeanpassungen während der Objektplatzierung anwendet.

Das maßgeschneiderte prozedurale Erstellungssystem erschafft dynamisch Eisenbahninfrastruktur mit Gleisen, Oberleitungen, an Kurvenradien ausgerichteten Bahnsteigen und aktualisiert diese automatisch, wenn sich Kurvenradien ändern.
Courtesy of CORYS
Das Team entwickelte spezialisierte Editoren für die Anpassung und Veränderung von Gleis- und Straßennetzen, Signallogik und sicherheitsrelevanten Systemen.

Dann gibt es da noch die hochaufgelöste Prozessintegration. 

"Hier wird es richtig interessant", sagt Renaud. "Wir haben unsere einmalige Abruf- und Verarbeitungspipeline direkt in Unreal integriert."

Das Team nutzt Orthofoto-Luftaufnahmen mit einer Auflösung von bis zu 3 cm, LiDAR-Scandaten mit 12–15 Punkten pro Quadratmeter und KI-gestützte Rekonstruktionsalgorithmen.

"Das erzeugt LOD-3.3-Geometrie mit über 90 % Texturierungsübereinstimmung", erklärt Renaud. "Bei einem virtuellen Rundgang fühlt man sich, als wäre man in der echten Welt unterwegs."

Dank der Integration all dieser Aspekte in die Unreal Engine konnte CORYS eine fast vollständige Automatisierung repetitiver Produktionsschritte erreichen. Workflows, die früher mehrere Werkzeuge und Wochen an Arbeitszeit erforderten, sind jetzt einzelne, visuell validierte Echtzeit-Arbeitsschritte.

"Der kumulative Effekt? Wir haben unsere Produktionseffizienz revolutioniert", sagt Renaud. "Was früher mehrere Werkzeuge, zahllose Export-Import-Durchläufe und wochenlange Iterationen erforderte, geht heute in einem einzigen, integrierten Umfeld mit sofortiger visueller Bestätigung und Darstellung. Unser Team kann sich so viel mehr auf die Erstellung von großartigen Inhalten konzentrieren und muss sich nicht mit komplizierten Werkzeugen herumschlagen."
A freight train in a CORYS rail simulation built in UE5.
Courtesy of CORYS

Die Zukunft: Ein einheitlicher digitaler Zwilling für Europas Eisenbahnsystem


Der Umfang und die Komplexität des VENUS-Systems von CORYS machen es zu einer der ausgefeiltesten Eisenbahn-Simulationsplattformen der Welt. Bemerkenswerterweise ist die Plattform nur als Zwischenschritt zu etwas noch Größerem, Umfassenderem gedacht.

"Wir bewegen uns von einer Simulation als reines Trainingswerkzeug zu einer Simulation als ausgeklügelte Digitaler-Zwilling-Plattform", sagt Renaud Perez. "Die Grundlage, die wir in Unreal Engine entwickelt haben, eröffnet uns den Weg zur Integration realitätsgetreuer Simulationen in den gesamten Betriebsablauf von Eisenbahnen."

Nächstes Jahr wird aus VENUS ein echter digitaler Zwilling, der bestehende fotorealistische, hochpräzise Simulationen mit Echtzeit-Betriebsdaten, Asset-Management und Technikabläufen verbindet. Betreiber können dann eine einzige Plattform für Training, Streckenplanung, Infrastrukturverwaltung, Störfallanalyse und Systemvalidierung nutzen.

Danach kommt die Validierung autonomer Systeme: Der Eisenbahnsektor setzt immer stärker auf Automatisierung. Dabei sind synthetische Sensordaten aus Simulatoren unverzichtbar für das Training und die Begutachtung von KI-Systemen. VENUS soll dabei Spezialfälle, gefährliche Szenarien und seltene Umgebungszustände generieren, die in Tests in der realen Welt nur schwer oder gar nicht erfassbar wären.

"Abgesehen von Fahrertraining sind unsere Simulatoren auch Werkzeuge für die Infrastrukturplanung, Betriebsoptimierung und Sicherheitsanalyse", erläutert Renaud. "Du möchtest ermitteln, wie gut eine neue Signalkonfiguration funktioniert? Modelliere sie im digitalen Zwilling, bevor sie in der echten Welt erprobt und eingesetzt wird."

Courtesy of CORYS

Möglichkeiten in der Eisenbahnsystemsimulation neu denken


CORYS wandelt Jahrzehnte alter technologischer Systeme in eine hochmoderne Echtzeit-Simulationsplattform um, die es mit den besten Systemen der Branche aufnehmen kann. 

Mit der vollständigen Integration der Arbeitsabläufe im Unternehmen in die Unreal Engine 5 wurde nicht nur die Herangehensweise an die Entwicklung von Eisenbahnsimulatoren revolutioniert, sondern auch die Grenzen der Möglichkeiten eines Eisenbahnsimulators in neue Dimensionen verschoben, die bisher als nicht erreichbar galten. 

"In nur drei Jahren haben wir unsere Technologie und Organisation transformiert", sagt Renaud. "In den nächsten drei Jahren werden wir revolutionieren, was in Eisenbahnsimulationen und mit digitalen Zwillingen möglich ist. Wir freuen uns schon riesig auf diese Zukunft!"

Erfahre mehr über Unreal Engine für Simulationen

Wo Präzision und Realitätstreue unerlässlich sind, da ist die Unreal Engine gefragt. Erfahre, wie leistungsstarke Funktionen wie virtualisierte Geometrie, Echtzeit-Raytracing und dynamische globale Beleuchtung dich in die Lage versetzen, bahnbrechende Simulatoren wie VENUS von CORYS zu entwickeln.
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